Im ersten Teil der Veranstaltung führte Dr. Joachim Wink von der NABU-Landesarbeitsgruppe Mollusken in die Bestimmung von Süßwassermollusken ein. Anhand von Sammlungsmaterial und älteren Fundstücken aus dem Archiv der Tauchergruppe wurde deutlich, wie anspruchsvoll und zugleich spannend die Bestimmung dieser oft wenig beachteten Tiergruppe ist. Muscheln und Schnecken sind für die Gewässerökologie von großer Bedeutung, da sie Wasser filtern, Nährstoffkreisläufe beeinflussen und wichtige Hinweise auf den Zustand eines Gewässers geben können.
Am Nachmittag ging es an den Reichelsheimer Bergwerksee. An diesem See darf nicht getaucht werden, die Stadt Reichelsheim hatte eine Tauchgenehmigung erteilt. Dort wurde das im Seminar Erlernte direkt praktisch angewendet. Während ein Teil der Gruppe den Uferbereich untersuchte, suchten Taucher*innen unter Wasser gezielt nach Muscheln und Schnecken. Gerade diese Verbindung aus biologischer Fachkenntnis und taucherischem Zugang erwies sich als besonders wertvoll: Unter Wasser konnten zusätzliche Funde gemacht werden, die bei einer reinen Uferbegehung kaum möglich gewesen wären.
Rainer Stoodt, Fachbereich Umwelt und Wissenschaft des HTSV, betont die Bedeutung solcher Einsätze: „Tauchsport kann weit mehr sein als Freizeit und Ausbildung. Wenn Taucherinnen und Taucher ihre Fähigkeiten in den Dienst des Naturschutzes stellen, entsteht ein ganz praktischer Nutzen für die Erforschung und den Schutz unserer Gewässer.“
Das Treffen machte eindrucksvoll deutlich, dass Taucher*innen einen besonderen Beitrag zur Erfassung von Unterwasserlebensräumen leisten können. Bereiche, die vom Ufer aus nicht erreichbar sind, lassen sich mit entsprechender Ausbildung, guter Vorbereitung und fachlicher Begleitung gezielt untersuchen. Genau darin liegt eine große Stärke des Naturschutztauchens.
Für den HTSV ist die Veranstaltung zugleich ein Beispiel dafür, wie Umweltbildung, Ehrenamt und sportliche Praxis sinnvoll zusammenwirken können. Die Zusammenarbeit mit den NABU-Fachgruppen soll deshalb weiter ausgebaut werden.
Text: Rainer Stoodt
Unterwasserfotos: Lorenz Seebauer
Überwasserfotos: Andrea Kosch