Hessischer Taucher / innen melden invasive Arten

Immer mehr Pflanzen und Tieren aus weit entfernten Ökosysteme wandern in Hessen ein. Oftmals stellen sie eine Bedrohung für hier heimische Arten dar, da sie deren Lebensräume bedrohen oder Krankheiten einschleppen.

Bekannt ist zum Beispiel der Kamberkrebs, der durch eine Virusübertragung den heimischen Edelkrebs fast komplett verdrängt hat.

Die Hessischen Taucher/innen sind aufgerufen, neue Invasive Arten beim Meldeprotal des Umweltministeriums zu melden.

In diesem Jahr steht besonders das Verschiedenblättrige Tausendblatt (Myriophyllum heterophyllum), das HTSV-Taucherinnen und Taucher im vergangenen Jahr erstmals in Hessen im Landkreis Offenbach entdeckten, im Focus.

Dazu kommt der Kalikokrebs (Faxonius immunis) der im diesem Winter in Südhessen 2019 in einigen Wassergräben gesichtet wurde.

Bitte meldet die Arten beim Meldeportal des Hessischen Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (HLNUG) (https://meldeportal-hessen.multibasecs.de/CloudPages/136/AddBeobachtung.aspx?ID_Art=1051584&type=Mund

per Mail an hessen@nabu-Naturschutztauchen.

Weitere Informationen zu den invasiven Arten findet Ihr hier:

(https://www.hlnug.de/fileadmin/dokumente/naturschutz/artenschutz/Neobiota/Broschuere_Invasive_Arten.pdf.

Infomationen zum Kalikokrebs gibt es unter https://www.yumpu.com/de/document/read/62324783/kaliko-wissen

 

 

Monitoring invasiver Quaggenmuscheln durch Sporttaucher

  • Regional stark gefährdete Art mit wichtigen Funktionen im Ökosystem
  • Flüsse müssen passierbar werden, damit Nasen wandern können


Die Nase (Chondrostoma nasus) ist Fisch des Jahres 2020. Anders als Forelle, Stichling oder Aal ist die
Fischart Nase in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Mit der Wahl dieser in Deutschland regional stark
gefährdeten und lokal bereits verschwundenen Fischart machen der Deutsche Angelfischerverband (DAFV),
das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) auf eine bedrohte
Fischart aufmerksam, die für Flüsse mit kiesigem bis felsigem Untergrund in der sogenannten Äschen- und
Barbenregion typisch ist.


Bestände stark zurückgegangen


Die Nase hat ihren Namen von dem nasenähnlich geformten Aufsatz auf ihrer Oberlippe, eine Anpassung an
ihre Lebensweise. Sie ist ein Friedfisch, ernährt sich von Algen, die sie von Steinen und Kiesbetten abweidet.
So wie Schnecken die Glasscheiben im Aquarium putzen, so hält die Nase glatte Oberflächen im Gewässer
algenfrei. Sie war noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Fisch, der in schnell fließenden
Gewässern sehr häufig vorkam, und auch „Brotfisch“ der Berufsfischer an der Donau genannt wurde. Heute
sind Schwärme von hundert Fischen bereits eine Seltenheit. Weil die Laichhabitate entweder nicht mehr
funktionsfähig sind oder aufgrund von Querbauwerken nicht mehr erreicht werden können, kann in geeigneten
Gewässern der Besatz mit gezüchteten Jungtieren sinnvoll sein. Auch auf Verschmutzungen der Gewässer
durch Schadstoffe sowie übermäßige Feinsedimenteinträge reagieren Nasen empfindlich.

„Nasen gehören wie auch die Barben zu den Karpfenfischen. Beim Abweiden der Algen von Steinen und Kies
lagern sie den Gewässergrund um und verhindern damit die Bildung von Faulschlamm. Kiesbetten dienen
vielen Fischarten, den Nasen und Barben aber auch den Salmoniden wie dem Lachs als Laichbetten. Nasen
haben somit eine wichtige Funktion in unseren Fließgewässern. Ohne geeignete Laichhabitate können Fische
nicht ablaichen und sich nicht vermehren. Für die Vermehrung der vielen Kieslaicher unter den Fischen ist ein guter Bestand an Nasen eine wichtige Voraussetzung,“
Dr. Christel Happach-Kasan, Präsidentin des Deutschen Angelfischerverbandes


„Um den Schutz der Nase zu verbessern, müssen Wanderhindernisse in den Flüssen abgebaut oder passierbar
gemacht werden und naturnahe Ufer, Kies- und Schotterbänke wiederhergestellt werden. Dies fordert auch die
Europäische Wasserrahmenrichtlinie für unsere Flüsse. Nur wenn die ganze Vielfalt von Strukturen und
Lebensräumen vorhanden und erreichbar ist, können sich die Fischbestände – nicht nur die der Nase
– langfristig wieder erholen. Die Nase steht daher stellvertretend für die gesamte Fischartengemeinschaft“
Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz


Zahlreiche Studien belegen, dass die Verbauung von Gewässern die wichtigste Ursache für den Rückgang der
Nasenpopulationen ist. Die Schwärme erreichen keine geeigneten Laichplätze, sodass sie sich nicht mehr
fortpflanzen und die Populationen überaltern. Angesichts der regional starken Bedrohung ist es dringend
erforderlich, die Forderungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie weiter zügig in Maßnahmen umzusetzen und die
Gewässer wieder durchgängig zu machen und natürlicher zu gestalten.
Dass dies Erfolg haben kann und Nasenpopulationen sich erholen, zeigen die wenigen Beispiele, in denen ein
Rückbau von Wehren stattgefunden und sich dadurch die Bestände wieder deutlich erholt haben. Die Nase
kann daher als ein guter Indikator für den Erfolg von Renaturierungsmaßnahmen angesehen werden.

Hintergrund
Die Nase kommt in Mitteleuropa nördlich der Alpen bis nach Osteuropa vor. Sie ist eine zu den karpfenartigen
Fischen (Cyprinidae) gehörende Art, die in der Barben- und Äschenregion großer Ströme wie der Donau oder
dem Rhein vorkommt. Sie wird bis zu 50 cm groß, kann Gewichte bis 2000 g erreichen, bleibt aber im
Normalfall deutlich kleiner. Mit dem scharfkantigen Unterkiefer weiden die Nasen Algen vom Bodensubstrat ab
und nehmen bodenlebende Kleintiere wie Insektenlarven oder Krebstierchen auf. Das Schuppenkleid ist
silbrig, am Rücken etwas dunkler und bäuchlings heller gefärbt. Typisch ist das Aufblitzen des
silbrigen Schuppenkleids bei der Nahrungsaufnahme, wenn sich die Nase seitlich wegdreht, um die Algen abzuziehen.
Nasen leben natürlicherweise in Schwärmen von mehreren hundert Exemplaren.
Nasen laichen im Frühjahr von März bis Mai und unternehmen dabei Wanderungen von mehreren hundert
Kilometern in den Fließgewässern. Laichplätze sind flach überströmte Bereiche in kleineren Seitenbächen. Hier
werden 20.000 bis 100.000 ca. 1,5 mm große Eier/Weibchen in vorher geschlagene Laichgruben abgelegt. Die
Larven leben zunächst im Kieslückensystem und ziehen dann als Planktonfresser an ruhigere
Gewässerstellen. Das Schlagen der Laichgruben in den flachen Gewässern ist oftmals als deutliches, lautes
Plätschern zu hören, vor allem dort, wo noch hunderte Nasen gleichzeitig laichen.

Mehr Informationen finden Sie in dem Flyer zum Fisch des Jahres 2020: Die Nase

Foto
Das Foto darf unter Nennung des Bildautors (© Rainer Kühnis) und nur im Zusammenhang mit der
Pressemitteilung zum Fisch des Jahres honorarfrei verwendet werden.

 

 

 

 

Aktion Gewässerreinigung See Schönbach, 1.6.2019

Noch nie war der Andrang zu der Gewässerreinigung am Verbandssee Steinbruch Winkel so groß wie im diesem Jahr. 32 Anmeldungen ist Rekord. Vor Ort kamen sogar noch einige Taucher dazu, wollten sie sich doch nicht die Gelegenheit entgehen lassen, in dem normalerweise gesperrten Seebereich der Angler zu tauchen. Trotz großem Einsatz der Taucher war die gefundene Menge an Müll recht gering. Kein Wunder, wird diese jährliche Reinigung doch schon seit 12 Jahren durchgeführt. Seit der Zugang zum See limitiert ist, wird hier kein Müll mehr illegal entsorgt und die aktuellen Nutzer, Angler und Taucher, achten auf ihren See. So beschränkte sich die Ausbeute auf wenige Flaschen und Dosen und diverse Angelschnüre mit Haken, Blinkern oder Ködern. Als besondere Aktion wurde von versunkenen Bäumen einige Äste abgeschnitten die bisher einige Angelhaken gefangen hatten. Zudem wurde auf Wunsch der Angler vom HTSV noch eine Gewässeruntersuchung durchgeführt. Die hierbei ermittelten Wert liegen im normalen Bereich. 

Zum Abschluss luden die Angler zum Grillen ein. Mit leckeren Würstchen und Grillfleisch und gemütlichem Beisammensein klang die Veranstaltung aus.

 

Text: Bernd Schmidt

Hasenkäfige für den Gewässerschutz

Ungläubige Gesichter machten Zaungäste am Wechselsee in Biebesheim und im Niederweimarer See bei Marburg. Die ortsansässigen Tauchvereine aus Biebesheim, Darmstadt, Gießen und Marburg versenkten dort mit Unterstützung der Anglervereine Hasenkäfige.

 

„Auch bei unseren Tauchern hat das erstmal zu Nachfragen und Schmunzeln geführt“ meinte Bernd Schmidt, Bereichsleiter Umwelt im HTSV. „Allerdings werden keine Seehasen gezüchtet“ ergänzte Karl Schwebel vom Verband Hessischer Fischer mit einem Lächeln im Gesicht. Die Käfige dienen als sogenannte Enclosures wissenschaftlichen Zwecken: Wachsen dort Pflanzen anders als an ungeschützten Stellen?

 

Die beiden Seen haben viele Gemeinsamkeiten: intensive Nutzung durch Badegäste, Nutzung durch Wassersportaktivitäten, Tauchen und Angeln. Und in beiden See verändert sich die Unterwasserwelt. Die unterseeischen Wiesen gehen zurück. Dabei sind Pflanzen für die Unterwasserwelt von enormer Bedeutung. VDST-Tauchlehrer Rainer Stoodt schwärmt von diesen unterseeischen Wiesen, die in Marburg weite Teile des Seegrundes bedecken und noch in 10m Tiefe zu finden sind. Wasserpflanzen produzieren Sauerstoff und speichern das ganze Jahr Nährstoffe, so dass die Algenblüten nicht sehr intensiv ausfallen. Und das nutzt allen Lebewesen, die entweder im See leben oder ihn zur Erholung besuchen.

 

Das Besondere an dem Projekt in Biebesheim ist die Zusammenarbeit zwischen Tauchern und Anglern. Die Idee zu dem Versuch mit Hasenkäfigen wurde im Januar bei einer Arbeitsrunde von Anglern und Tauchern am Wechselsee besprochen und nun schon in die Tat umgesetzt. Gemeinsam für den Gewässerschutz wurden an mehreren Stellen unter Wasser jeweils 2m² große Hasenkäfige versenkt, verankert und Referenzflächen markiert. Denn es gibt einen Rückgang der Wasserpflanzen – in Biebesheim ist dieser signifikant. Das kann an den hohen Wassertemperaturen des vergangenen Sommers oder an besonderen Umweltbedingungen liegen. Aber möglicherweise auch an Fischarten, die den Seeboden nach Nahrung durchwühlen und – ähnlich wie Wildschweine – dabei den Boden durchwühlen. Um darüber Gewissheit zu erhalten, dienen die geschützten Bereiche der Hasenkäfige.

Im kommenden Jahr werden sich dann die Angler und die Tauchvereine zusammensetzen und die Ergebnisse auswerten und über Maßnahmen sprechen, wie man den Zustand des Gewässers verbessern kann.

 

Auch dem hessischen Umweltministerium gefällt das Enclosure - Projekt und deshalb wird es finanziell unterstützt. Es passt nämlich gut zur Biodiversitätsstrategie des Landes Hessen.

 

Im Wechselsee in Biebesheim war ein finanzielle Unterstützung nicht nötig, die Käfige dort hat der Kaninchenzuchtverein gespendet. Fotos der Entwicklung unter Wasser werden regelmäßig auf der Homepage der Taucher veröffentlicht: www.gwg-sub.de und https://tauch-club-turtle.de/.

 

Im Sommer soll die Zusammenarbeit zwischen Anglern und Tauchern weitergehen: In Niederweimar wird es ein gemeinsames Seminar mit dem Verband Hessischer Fischer zur Gewässeruntersuchung geben. Ein paar Plätze sind noch frei.

Hier geht es zur Anmeldung: https://htsv.org/ausschreibung/?Serial=1439

 

Text: R. Stoodt

 

 

Gewässererkundung Steinrodsee

Vom Verband Hessischer Fischer wurde eine Bitte an den HTSV weiter geleitet: Dem Pächter des Sees, dem Angelverein Gräfenhausen, bereitet der Zustand des Steinrodsees bei Darmstadt Sorge und Maßnahmen zur Verbesserung werden diskutiert. Zur Entscheidungsfindung wären einige Unterwasserbilder sehr hilfreich, denn der ehemals vorhandene Bewuchs scheint verschwunden.



Drei Sporttaucher vom Unterwasserclub Langen übernahmen diese Aufgabe gerne, Annemarie Grove, Petra Tschunt und Peter Horlemann-Rechthin . Bot sie doch die Gelegenheit in einem See zu tauchen, der sonst nie betaucht werden darf. Allerdings waren die Erwartungen bei 2 -3m Wassertiefe nicht zu hoch gesteckt, war der See doch entstanden als dort für die Reichsautobahn Sand und Kies benötigt wurde.



Leider bestätigte der Tauchgang und die Bilder den traurigen Zustand: Keinerlei Bewuchs von höheren Pflanzen zu finden, aber schlechte Sicht durch einsetzende Algenblüte. Eine Probe mit dem Stechrohr ergab, dass auf dem Boden keine Langzeit-Sedimentierung stattfindet. Die auf dem Sandboden vorhandene 5-10cm starke Mulmschicht ist vermutlich nur der Eintrag von organischer Substanz (Blätter, etc.) des letzten Jahres. In ihr ist aktuell ein reiches Leben von Kleinlebewesen zu finden.

Die auf den Bildern erkennbaren kleinen Mulden im Bodengrund dürften Fressspuren von Karpfen sein.

Die gleichzeitig durchgeführten Wasser-Untersuchungen ergaben auch keinen direkten Hinweis auf eine mögliche Ursache. Alle ermittelten Werte liegen im Normalbereich: Nitrat, Phosphat, und Ammonium unter der Nachweisgrenze, Nitrit 0,1mg/l, Gesamthärte 10°dH, pH um 8,0. Nur die Sauerstoffsättigungswerte waren ungewöhnlich gering: 75% an der Oberfläche, am Boden noch 50%.



Der Vorsitzende des Angelvereins, Timm Wächter, bedankte sich für die Bilder und Daten bei den Tauchern mit einer Einladung zum Essen ins Vereinsheim. Was es gab? Leckere geräucherte Forelle. 



PS: Falls Du als Taucher mit Foto Interesse hättest an ähnlichen Aktionen und in sonst nicht zugänglichen Gewässern zu tauchen, kannst Du Dich gerne bei Bernd unter umwelt@htsv.de melden.



Die Taucherinnen und Taucher des Hessischen Tauchsportverbandes (HTSV) sind nicht nur als Unterwasser- Rugbyspieler oder Finschwimmer unterwegs. Sie...

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